Der Stifter Karl Buck – Tüftler und Gründer

Den Stifter Karl Buck zeichnet ein bewegtes Leben aus. Zwei Jahre nach seiner Geburt am 24. Juli 1912 in Stuttgart-Feuerbach entbrannte der Erste Weltkrieg. Nach Kriegsende kam für ihn eine entbehrungsreiche Zeit infolge der Inflation: Er musste warten, bis sein Vater nach Hause kam, um mit dem Tageslohn schnell noch einen Laib Brot oder die nötigsten Lebensmittel kaufen zu können. Am nächsten Tag war der Lohn fast nichts mehr wert.

Glücklicher verliefen die ersten beruflichen Schritte. Nach der Grundschule bekam er dank geschickter Umstände und guter Beziehungen eine Arbeitsstelle bei der Farbenfabrik Kast und Ehinger in Feuerbach und absolvierte eine Ausbildung zum Laboranten.

Aber Karl Buck wollte beruflich weiterkommen. 1935 nahm er all sein Erspartes und meldete sich bei der staatlich anerkannten, privaten Chemieschule Dr. Binder in Stuttgart zur Ausbildung als Chemotechniker an. Aufgrund der hohen Kosten schmolzen seine finanziellen Mittel schneller dahin als er ausgerechnet hatte. Aber dank Unterstützung des Schulleiters stundete ihm die Schule die anfallenden Gebühren und Kosten und besorgte ihm eine Anstellung. Bei der Acetatseidenfabrik Rodiasaeta mit 3.000 Mitarbeitern in Freiburg im Breisgau bekam er seine erste Stelle im Zentrallabor am 1. September 1937.

Jugendtraum: Kleines Fabrikle

Zwar hatte er immer weniger Hoffnung, seinen Jugendtraum zu verwirklichen und eine eigene Firma zu gründen. Doch er stellte schon damals nebenberuflich für die Drogerie seiner Frau Anna Hautcremes, Gesichtswasser, Möbelpolituren, Fleckenwasser und mehr her. Ihn brachte zum Nachdenken, dass man für die WC-Reinigung hochkonzentrierte Salzsäure aus der Drogerie holte. Er wollte ein Produkt erfinden, das angenehm riecht und im WC-Becken hängt. Es sollte vom Wasser überspült werden, um Wasserstein und Kalk zu verhindern oder zu lösen. Ein solches Produkt gab es vor 36 Jahren noch nicht auf dem Weltmarkt. Ergebnis war „WC 66“, der Vorläufer des heutigen WC-Steins.

Doch der zweite Weltkrieg verhinderte weitere Schritte auf dem Weg zur Selbständigkeit erst einmal. Die Invasion der Alliierten erlebte Karl Buck in der Normandie mit einem motorisierten Wettertrupp, der die Wetterbedingungen entlang der Kampflinie für die Flugeinsätze per Funk meldete. Er kam 1945 in amerikanische Gefangenschaft, die ihn über England nach Amerika bis an den Golf von Mexiko, Texas, Lousiana und New York führte. Nach zwei Jahren kam er frei und begann im Herbst 1947 beim Chemischen Untersuchungsamt der Stadt Stuttgart zu arbeiten, wo er Spektralanalysen durchführte und Blutalkoholwerte bestimmte.

Firmengründung mit einer Weltneuheit

Mit 54 Jahren gelang endlich der Sprung in die Selbständigkeit und Karl Buck mietete Räume in einer ehemaligen Waschküche, um „WC 66“ zu produzieren und mit Hilfe eines Vertragspartners zu vertreiben. Schon 1969 baute das Ehepaar Buck auf einem eigenen Grundstück in Stuttgart-Vaihingen Fabrikation, Lager und Büro. In den 70er Jahren bekam die Firma Konkurrenz auf dem Markt zu spüren, vor allem die der großen Handelskonzerne.

Nichtsdestotrotz wuchs das Unternehmen: Auslandsmärkte wurden erschlossen und neue Produktvarianten kamen hinzu. 1991 entschloss sich das Ehepaar Buck zu einem Neubau in Herrenberg. Heute ist die fast vollautomatisch arbeitende Produktionsstätte eine der technisch modernsten auf diesem Gebiet in Europa. Das Werk beliefert mit einem Exportanteil von über 60 Prozent fast alle europäischen Länder. Auch nach Übersee hat Buck-Chemie Lizenzen vergeben und immer neue Produktfelder aufgebaut. Karl Buck war bis zuletzt als Geschäftsführer aktiv und hat die erfolgreiche Fortsetzung seines Weges verfolgt. Er starb am 16. Oktober 2010.